Der Kilchberger Schwinget
Newsletter 04 | 2026
Editorial
Der Kilchberger Schwinget
Die Anlagestrategie im 4. Quartal 2026

Editorial
Liebe Leserinnen und Leser
Vor rund 25 Jahren erlebten wir das Grounding der Swissair. Die finanzielle Schieflage war allen Beteiligten seit längerer Zeit bekannt und trotzdem hiess es am 2. Oktober 2001 über den Lautsprecher am Flughafen Zürich: «Meine Damen und Herren, liebe Fluggäste. Aus finanziellen Gründen ist die Swissair nicht mehr in der Lage, ihre Flüge durchzuführen.»
An diese Durchsage werden wir uns wohl noch viele Jahre erinnern und gleichzeitig wird uns immer wieder vor Augen geführt, dass die Schweiz und das Zusammenstehen von Politik und Wirtschaft aufgrund persönlicher Eitelkeiten von verschiedenen Exponenten versagt haben. Eingestehen wird man dies nie, da die Schweizer Politik und Wirtschaft immer wieder Mühe bekunden, Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Nach 25 Jahren Geschichtsfortschreibung kann man aber zusammenfassend sagen:
Die Zwischenfinanzierung für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes der Swissair und die Überführung in die Swiss haben den Steuerzahler über 2 Mrd. Franken gekostet. Mit diesem Geld hätte man zum gleichen Zeitpunkt ein Drittel der Lufthansa erwerben können, welche im Jahre 2005 die Swiss faktisch für ein «vergelt's Gott» übernehmen konnte. Heute ist die Swiss eine Tochtergesellschaft der Lufthansa und diese verdient mit der Swiss gutes Geld.
Am 16. Oktober 2008 musste die UBS per Notrecht mit einem historischen Rettungspaket durch den Bund vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Teilweise agierten dieselben Personen wie im Jahre 2001 beim Grounding der Swissair. Mit einer Kapitalspritze von 6 Mrd. Franken, die der UBS über eine Pflichtwandelanleihe vom Bund gewährt wurde, stärkte der Steuerzahler das Eigenkapital der UBS und die Nationalbank übernahm illiquide und «faule» Wertpapiere im Umfang von rund 38,7 Mrd. US-Dollar und lagerte sie in eine Zweckgesellschaft aus, um die UBS-Bilanz zu säubern. Am Ende wurde der Steuerzahler für die Risikoübernahme schadlos gehalten und der Bund erzielte auf den entsprechenden Positionen einen kleinen Gewinn. Am 19. März 2023 wurde die Credit Suisse nach 167 Jahren mit einer staatlich orchestrierten Notübernahme durch die UBS gerettet. Der Steuerzahler musste bei dieser Lösung nicht geradestehen, aber die Bankkunden zahlen heute die Zeche über weniger Wettbewerb und höhere Preise für Bankdienstleistungen. Die nun vom Regulator und der Politik geforderte Eigenmittelunterlegung wird die UBS mit Sicherheit auf die Kunden abwälzen, und zwar vor allem auf die in der Schweiz domizilierten Kreditkunden.
In den letzten Jahren haben die Eitelkeiten in der Politik und der Wirtschaft stark zugenommen. Die oben aufgeführten Beispiele zeigen exemplarisch auf, dass wir vergessen haben, dass unser Wohlstand auf einem austarierten Machtgefüge zwischen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung fusst. Es geht dabei nicht um persönliche Eitelkeiten, auch nicht um das Trennende, sondern um das Verbindende, mit dem gemeinsamen Ziel, die Schweiz in der Welt stärker zu machen. Vielleicht erinnern wir uns wieder einmal an dieses Erfolgsrezept der Schweiz.
Martin Wipfli
Der Kilchberger Schwinget
Es gibt im Schweizer Sportkalender nur wenige Anlässe, die eine so unmittelbare, fast mystische Faszination ausüben wie der Kilchberger Schwinget. Als Gemeindepräsidentin von Kilchberg darf ich von Amtes wegen als Teil des Organisationskomitees (OK) den Kilchberger Schwinget mitgestalten. Der Kilchberger Schwinget ist kein gewöhnliches Sportfest. Er ist ein exklusives Stück eidgenössischer Kulturgeschichte, das alle sechs Jahre im Spätsommer die sechzig stärksten Schwinger des Landes in Kilchberg vereint. Um die Bedeutung des Kilchberger Schwinget zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück zu den Wurzeln einer Tradition, die einst aus sportlichem Protest geboren wurde und sich bis heute ihren exklusiven Charakter bewahrt hat.
Die Wiege des Schwingets liegt im Jahr 1926 beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Luzern. Damals erlebte das ESAF eine der unorganisiertesten Austragungen seiner Geschichte. Mehr als zehntausend Menschen strömten herbei, doch es existierten lediglich 3’000 Sitz- und 5’000 Stehplätze. Die Folge war ein heilloses Durcheinander: Viele zahlende Gäste sahen schlichtweg gar nichts, Kampfrichter verloren den Überblick, und die Fairness blieb im Gedränge auf der Strecke.
Dieses Chaos rief den Kilchberger Juristen Emil Huber auf den Plan. Huber, ein leidenschaftlicher Förderer des Schwingsports und Direktor des Sanatoriums Kilchberg, war von den Vorkommnissen derart erschüttert, dass er ein Gegenmodell entwarf. Seine Vision war ein Schwingfest, das sich radikal von Massenveranstaltungen unterschied. Huber wollte Exklusivität, sportliche Präzision und den Geist absoluter Fairness in den Fokus rücken. So lud er im September 1927 zur allerersten Austragung in den privaten Park seines Sanatoriums hoch in Kilchberg ein. Es sollte eine edle, wohlgeordnete «Revanche» für das verpatzte Fest in Luzern werden.
Bei dieser geschichtsträchtigen Premiere traten 42 handverlesene Schwinger vor gerade einmal 1’200 geladenen Gästen an. Als erster Festsieger ging der legendäre Fritz Hagmann vom Feld. Der Erfolg war überwältigend, und Hubers Konzept ging voll auf. Um das Fortbestehen des Festes langfristig zu sichern, errichtete der visionäre Jurist 1933 die Stiftung «Huber-Fonds» und stattete sie mit einem Vermögen von 15’000 Schweizer Franken aus. Der explizite Zweck war es, periodisch ein exklusives Schwingfest in Kilchberg zu veranstalten. Schon bei der zweiten Austragung im Jahr 1932 zeigte sich das enorme Potenzial des Formats. Aus den 1’200 Gästen wurden rasch 4’000 Zuschauer, und das Teilnehmerfeld wuchs auf 55 Schwinger an.
Anfänglich wurde das Fest alle fünf Jahre ausgetragen, wobei lediglich das Kriegsjahr 1942 zu einer Zwangspause führte. Seit dem Jahr 1978 wird der Kilchberger Schwinget nun in einem festen Sechsjahresturnus durchgeführt. Er bildet seither das perfekte Gegenstück zum Unspunnen-Schwinget und findet jeweils zwei Jahre nach dem ESAF statt. Zusammen mit diesen beiden Grossanlässen bildet Kilchberg den renommierten Grand Slam des Schweizer Schwingsports – ein Trio von Festen mit eidgenössischem Charakter, das den Gewinnern unvergänglichen Ruhm einbringt.
Was den Kilchberger Schwinget von allen anderen Schwingfesten der Schweiz unterscheidet, sind seine eisernen Prinzipien. Bis heute gelangen keine Eintrittskarten in den öffentlichen Verkauf. Wer auf dem Gutshof «Uf Stocken» im Sägemehlkreis mitfiebern will, schafft dies nur auf persönliche Einladung oder über ein striktes Kontingent. Die Kulisse ist fest auf rund 10’000 Zuschauerinnen und Zuschauer limitiert. Während beim modernen ESAF riesige, temporäre Stadien für über 50’000 Menschen entstehen, bleibt Kilchberg bewusst familiär und nahbar.
Ebenso exklusiv ist die Auslese der Athleten. Nur die absolut besten 60 Schwinger des Landes erhalten das begehrte Aufgebot. Der Eidgenössische Schwingerverband teilt 58 Startplätze nach einem Schlüssel auf die Teilverbände auf, während der gastgebende Schwingklub Zürich zwei exklusive Wildcards vergeben darf. Wer hier antritt, gehört zur absoluten Elite. Aufgrund dieser komprimierten Leistungsdichte gilt der Kilchberger Schwinget unter Fachleuten sportlich als das anspruchsvollste Fest überhaupt.
Jahrzehntelang kam dem Fest eine besondere finanzielle Romantik zu: Als reines Einladungsfest verzichtete man strikt auf Sponsoren und kommerzielle Werbung im Festareal. Finanziert wurde das Ganze durch das Erbe der Familie Huber. Erst als vor einigen Jahren ein bedeutender Nachkomme und Mäzen der Gründerfamilie verstarb, stand das Organisationskomitee vor einer historischen Weggabelung. Für die 17. Austragung, die pandemiebedingt von 2020 auf das Jahr 2021 verschoben werden musste, öffnete man sich gezwungenermassen für ausgewählte Partnerschaften.
Doch das OK blieb den alten Werten treu: Dank der Unterstützung etablierter Partner konnten die Tickets für die geladenen Gäste weiterhin komplett gratis abgegeben werden. Sportlich ging das Fest 2021 ebenfalls in die Annalen ein, als sich mit Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann gleich drei Schwinger punktegleich den Festsieger-Titel teilen mussten.
Damit spannt sich der Bogen direkt zur jüngsten, der 18. Austragung des Kilchberger Schwinget, die am Samstag, dem 5. September 2026, bei strahlendem Herbstwetter auf dem wunderschönen Gutsbetrieb «Uf Stocken» stattfand. Als Mitglied des OK durfte ich hautnah miterleben, mit wie viel Herzblut, Präzision und ehrenamtlichem Engagement dieses Fest vorbereitet wurde, um den 10’000 geladenen Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Und der Wettkampf hielt absolut alles, was er im Vorfeld versprochen hatte: Er lieferte Drama, grosse Überraschungen und letztlich ein historisches Kapitel Schwingergeschichte.
Der unbestrittene Held des Tages war der Thurgauer Samuel Giger. Seine Teilnahme stand im Vorfeld unter keinem guten Stern: Nach einer schweren Schulterverletzung Ende Mai musste er über drei Monate pausieren und reiste ohne jegliche Wettkampfpraxis nach Kilchberg. Doch der 28-jährige Modellathlet bewies eine mentale und physische Stärke, die das Publikum in Erstaunen versetzte. Gleich im Anschwingen bezwang er den Emmentaler Eidgenossen Matthias Aeschbacher souverän im Kniekehlengriff. Nach einem weiteren Sieg gegen Sinisha Lüscher musste er im dritten Gang zwar eine Niederlage gegen Michael Ledermann einstecken, doch fing sich Giger nach der Mittagspause im vierten Gang gegen Patrick Betschart wieder. Im fünften Gang bettete er den jungen Berner Mitfavoriten Michael Moser in nur 45 Sekunden mittels Kurz ins Sägemehl und sicherte sich damit den Einzug in die Endausmarchung. Im Schlussgang wartete der Innerschweizer Marcel Bieri, der an diesem Tag über sich hinausgewachsen war. Bieri hatte im fünften Gang den Bündner König Armon Orlik mit einem sensationellen Schlungg ausgekontert und damit die Fachwelt verblüfft. Das Berner Lager, das mit dem Saisondominator Fabian Staudenmann den absoluten Topfavoriten stellte, erlebte eine bittere Enttäuschung: Staudenmann fiel nach drei Gestellten überraschend aus der Entscheidung um den Tagessieg.
Die finale Begegnung zwischen Giger und Bieri dauerte 2 Minuten und 5 Sekunden. Mit seinem berüchtigten, blitzschnellen Kurz bezwang der Nordostschweizer Samuel Giger seinen Innerschweizer Kontrahenten Marcel Bieri und liess sich feiern. Für Samuel Giger war dieser Triumph am 5. September 2026 ein emotionaler Moment und ein historischer Meilenstein: Nach seinem Co-Sieg von 2021 gelang ihm die alleinige Titelverteidigung. In der Historie des Kilchberger Schwinget ist er erst der zweite Athlet nach der Schwingerikone Karl Meli (1967 und 1973), dem das seltene Kunststück glückte, den Kilchberger zweimal zu gewinnen.
Die 18. Austragung hat eindrücklich bewiesen, dass der Kilchberger Schwinget seine magische Anziehungskraft kein bisschen verloren hat. Das Zusammenspiel aus Spitzensport auf allerhöchstem Niveau und der einzigartigen Kulisse des Stockenguts macht diesen Anlass zu einer Perle der Schweizer Kultur. Für mich persönlich, als Gemeindepräsidentin von Kilchberg und stolzes Mitglied des Organisationskomitees, war es eine wunderbare Aufgabe, im Namen der Gemeinde Kilchberg als Gastgeberin für die Schwingerfamilie aufzutreten. Ich ziehe eine durchwegs positive Bilanz: Der Geist von Emil Huber lebt weiter – bodenständig, exklusiv und unvergänglich.
Phyllis Scholl, Leiterin Rechtsberatung, Partner
Die Anlagestrategie im 4. Quartal 2026
Das Umfeld für Aktien bleibt trotz der historisch hohen US-Zinsen konstruktiv. Die grossen strukturellen Wachstumstreiber sind intakt. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld aufgrund der unwägbaren geopolitischen Risiken, der hohen Kapitalnachfrage und des restriktiveren Kurses der Notenbanken anspruchsvoll.
Wirtschaftliches Umfeld
Die Lage im Nahen Osten ist angespannt, und eine Lösung des Konflikts lässt weiter auf sich warten. Die hohen Energiepreise beflügeln die Inflation und haben zu deutlichen Zinserhöhungen am langen Ende der Zinskurve geführt. Die Fed leitete mit ihrer ersten Zinserhöhung im September einen neuen Zinserhöhungszyklus ein. Es bleibt zu bezweifeln, dass Leitzinserhöhungen in der heutigen, von intensivem Wettbewerb und raschen Preisanpassungen geprägten Welt einen Einfluss auf die Inflationsentwicklung haben. Die Gründe für die hohen Zinsen bei langen Laufzeiten sind vielschichtig: Neben einer kurzfristig erhöhten Inflationsprämie infolge des Konflikts im Nahen Osten spielen auch die langfristige Inflations- und Risikoprämie im Zusammenhang mit der US-Schuldenpolitik und dem schwindenden internationalen Vertrauen in die amerikanische Politik eine Rolle. Hinzu kommt das weiterhin robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Die Zinslage ist derzeit sehr dynamisch. Eine Entspannung im Nahen Osten hätte durch einen fallenden Ölpreis eine enorme Signalwirkung.
Aktienmärkte
Die Aktienmärkte kommen bislang gut mit der Zinssituation zurecht. Die Entwicklung der Indizes täuscht jedoch über die sehr unterschiedliche Entwicklung einzelner Aktien hinweg. Die hervorragenden Unternehmensergebnisse wurden in den letzten Wochen kaum mehr mit höheren Bewertungen honoriert und führten zu attraktiveren Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Wir gehen davon aus, dass sich der Investitionszyklus bei der IT-Infrastruktur weiter beschleunigen und zu einem Innovations- und Produktivitätsschub führen wird. Bei der Titelselektion setzen wir auf die Technologieführer in den Bereichen Photonik, Halbleiter, Kühlung und Energie. Wir beobachten schon seit einiger Zeit eine veränderte Kursdynamik: So gibt es kaum noch Gegenbewegungen innerhalb eines Handelstags, die Aktienkurse bewegen sich innert Sekunden auf bestimmte Kursniveaus und verbleiben dort den ganzen Tag wie festgenagelt. Gründe dafür dürften die zunehmend dominierenden KI-unterstützten Handelssysteme und die wachsende Verbreitung passiver Anlagestrategien sein. Die damit einhergehende hohe Kursvolatilität nutzen wir vermehrt für den aktiven Einsatz von gedeckten Call- und Put-Optionsgeschäften im Rahmen der Anlagestrategie.
Anleihenmärkte
Die Entwicklung der Zinsen, insbesondere am längeren Ende der Zinskurve, ist aufgrund der erwähnten Einflussfaktoren volatil. Wir bevorzugen daher eher kürzere Laufzeiten, obwohl die Kursgewinnchancen bei lang laufenden Anleihen im Falle eines starken Ölpreisrückgangs erheblich sind.
Währungen
Der USD dürfte gegenüber dem CHF und dem EUR weiter an Stärke gewinnen. Das hohe Wirtschaftswachstum und die Zinsdifferenz wirken unterstützend.
Daniel Waldmeier, Partner